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Was bedeutet takten bei einem Heizkessel?

Wieso taktet mein Heizkessel so häufig?

Mit takten ist das ständige ein- und ausschalten des Heizkessels gemeint. Ein Heizkessel älterer Bauart taktet ohne weiteres 120 – 200mal am Tag. Das heißt, er wird innerhalb von 24 Stunden durchschnittlich 120mal ein und wieder ausgeschaltet. Kaum vorstellbar wenn man es nicht selbst miterlebt. Aber leider ist es ja so das die dickste Tür im Haus die vorm Heizungskeller ist und somit die meisten Eigenheimbesitzer gar nicht merken wie die Heizung taktet.

Wie kommt es zum takten?

Das takten der Heizung ist ein Hinweis auf die Überdimensionierung des Heizkessels. Der Heizkessel ist darauf ausgelegt das gesamte Haus, auch im tiefsten Winter bei -16°C, auf eine angenehme Temperatur zu erwärmen. Daraus ergibt sich eine bestimmte Brennerleistung die installiert werden muss. Hinzu kommt dann oftmals noch ein Aufschlag für die Brauchwasserbereitung und wenn Sie Pech haben, hat Ihr Installateur gleich noch eine Nummer größer eingebaut damit Sie auch ja immer schön warm haben. Fakt ist das 70% der installierten Heizungsanlagen deutlich überdimensioniert sind. Selbst wenn Ihre Anlage korrekt berechnet wurde bleibt immer noch das Problem das wir ja im Verlauf eines Jahres nur ganz wenige Tage haben wo es wirklich -16°C sind. Um das Überangebot an Leistung zu kompensieren beginnt die Anlage zu takten. Besonders extrem wirkt sich das in der Übergangszeit aus. Hier ist es weder warm genug um die Anlage abzuschalten, noch ist es so kalt das die Anlage vernünftig ausgelastet werden kann. Damit nur soviel Wärme produziert wird wie gerade gebraucht wird muss der Brenner ständig ein und wieder ausgeschaltet werden.

Was ist denn so schlimm am takten?

Ganz einfach. Das takten der Anlage führt zu einem erhöhten Verbrauch. Das kann in Extremfällen bis zu 50% des Jahresverbrauchs ausmachen. Im Durchschnitt sind es etwa 20%. Das starten des Brenners ist die mit Abstand verlustreichste Phase des Brennvorgangs überhaupt. Details finden Sie im Artikel „Verluste beim heizen“. Wenn Sie es also schaffen die Einschalthäufigkeit des Brenners zu verringern sparen Sie bares Geld.

Was kann ich dagegen tun?

Am einfachsten ist es den Heizkessel auszutauschen. Idealerweise tauschen Sie den Kessel gegen ein Gerät neuster Bauart aus. Diese Geräte bieten nämlich einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber den alten Kesseln. Sie haben keine feste Brennerleistung mehr, sondern diese Geräte modulieren. Das bedeutet, dass der Brenner in der Lage ist auf  den veränderten Wärmebedarf bei unterschiedlichen Außentemperaturen zu reagieren. Somit kann er bei geringem Wärmebedarf die Flamme klein regeln und somit  ein Abschalten des Brenners verhindern. Ganz im Gegenteil, die Laufzeit wird erheblich in die Länge gezogen um unnötiges Starten zu verhindern. Eine gut dimensionierte Heizung läuft mindestens 20 Minuten ohne Unterbrechung. Je länger desto besser. Auch wenn es erst mal paradox klingen mag ist diese Betriebsweise deutlich günstiger als ein ständiges ein- und wieder ausschalten.

Wenn Sie Ihren alten Kessel behalten möchten gibt es die Möglichkeit einen Pufferspeicher zu installieren. Dieser Pufferspeicher sorgt dann dafür, dass das Überangebot an Leistung zwischengespeichert werden kann bis es tatsächlich benötigt wird. Auch mit dieser Lösung erhöht sich die Laufzeit deutlich bei gleichzeitigem sinken der Einschalthäufigkeit. 
Als dritte Möglichkeit können Sie Ihre Regelungseinstellungen optimieren. Durch einfaches anpassen der Heizzeiten und der Heizkurve an das Gebäude bzw. Ihren Wärmebedarf lassen sich bereits bis zu 10% einsparen.

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{ 7 Kommentare… add one }
  • Silvera 24. März 2018, 16:12

    Hallo,
    vielen Dank, Peter Elsen, für Ihre Antwort und die Erläuterungen. Wir werden die Einstellungen dann überprüfen und entsprechend abändern. VG Silvera

  • Silvera 15. März 2018, 9:37

    Guten Tag,
    wir hatten bisher als Heizung Nachtstrom-Wärmespeicher. Nun haben wir einen Flüssiggastank (2700 Liter), sowie eine neue Gastherme und diese Art Heizung ist völlig neu für uns. Die Gastherme wird von uns nur zum Heizen benötigt bzw. genutzt. Der Vorbesitzer hatte aber dafür auch Warmwasser eingeplant. Das Haus (120 qm) wird noch nicht bewohnt, wir hatten daher auf Minimalbetrieb eingestellt. Ende November letzten Jahres wurde der Gastank zu 80% gefüllt. Die Vorlauftemperatur bzw. die Einstellungen wurden herunter geregelt und die Heizkörperventile waren alle voll aufgedreht. So war im Haus eine Temperatur um 12-14 Grad. Trozdem war jetzt Mitte März der Gastank komplett leer. Ist das normal? Wie kann man das optimal einstellen. Der Verbrauch erscheint uns sehr hoch.
    Vielen Dank für eine Antwort.

    • Marc Heinen 15. März 2018, 20:02

      Guten Abend,
      der Verbrauch erscheint zuerst etwas hoch. Es ist so, das von Oktober bis März ca. 70-80% des Jahresverbrauchs anfallen.
      Zum besseren Vergleich rechne ich die Liter mal in m³ um.
      2200 Liter Flüssiggas (Heizwert ca. 7kwh/l) entsprechen ca.1500m³ Erdgas (Heizwert ca 10kwh/m³)
      Da ich das Gebäude nicht kenne, ist es natürlich schwierig zu schätzen, wie der Verbrauch sein soll. Erfahrungsgemäß braucht ein ungedämmtes Fachwerkhaus mit 100m2 Wohnflächen bei 21Grad Raumtemperatur ca. 3000 bis 3500m3 Erdgas im Jahr, inkl. Warmwasser was ca. 15-20% (je nach Personenzahl) des Jahresverbrauchs ausmacht. Bei dieser Annahme liegt Ihr Verbrauch durchaus im Rahmen des Möglichen.
      Vielleicht können Sie zum Gebäude noch weitere Informationen nennen.
      Wenn das Haus nicht bewohnt ist, kann man die meisten Heizungen über die Regelung in einen Frostschutzbetrieb setzen. Das führt dann dazu, das die Raumtemperatur bei nur noch ca. 5 Grad gehalten wird. Dafür muss aber zwingend ein Außenfühler vorhanden sein.

      • Silvera 17. März 2018, 8:25

        Guten Tag,
        vielen Dank, Marc Heinen, für Ihre aufschlussreiche Antwort. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Altbau mit entsprechend dicken Wänden (60-80 cm). Das Haus ist saniert worden. Ein Außentemperaturfühler ist vorhanden. Über die Gastherme wird/wurde kein Wasser erwärmt. Wenn wir im Haus waren und dann die Temperatur höher eingestellt war (18 Grad), hat die Gastherme möglicherweise zu häufig an und aus geschaltet.

  • Peter P. Elsen 18. Oktober 2016, 13:47

    Guten Tag, zur Minimierung der Taktung ist die Spreizung der Schalthysterese zu dynamisieren. Also im Winter ist eine geringe, in der Übergangszeit eine größere Spreizung zu realisieren. Hierzu ist der Startvorgang des Brenners selektiv zu verzögern (Laufpause zu vergößeren). Günstig sind vier Zeitbereiche. Eine Elektronik speichert die jeweils vorangegangene Laufpause. Sie ist die Basis der nächsten Startverzögerung und wird mittels Zwischenstufe ständig angepasst.

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